Stadtarchiv in Köln eingestürzt – Pluto in Steinbock in Aktion

Update 04.03.09, 18 h: Es werden noch 2 Personen vermißt.

Die Stimmung in der Südstadt und in der Bevölkerung läßt sich bei www.koeln.de gut nachlesen, vor allem nachdem Oberbürgermeister Schrammam, aus Österreich aus dem Urlaub herbeigeeilt,  laut über den Stop des U-Bahn-Baus nachdenkt.

Die Wut über den überteuerten und von Pannen und Schäden begleiteten Bau, von der geschäftsschädigenden Wirkung der Baustelle auf die Umsätze in der einst so schönen Severinstrasse, ganz abgesehen von der Lärm- und Dreckbelästigung seit Jahren, läßt die Menschen explodieren und die Kommentare lesen sich dementsprechend.

In den Ruinen des Stadtarchivs wird versucht, noch die Dokumente zu retten, an die man rankommt – und mußte aufgrund von Niederschlägen mit Planen abdecken.  Die Suche nach den Vermißten muß immer weiter vertagt werden, weil Wände lediglich von den Trümmern einer anderen Wand gehalten werden. Der Untergrund ist sandig (als ob das nicht schon von Anfang an bekannt gewesen wäre) und die Befürchtung, daß noch etwas nachrutscht, hält nicht nur die Rettungskräfte und das THW in Atem.

Es gibt – gerade unter den Links, die ich weiter unten gepostet habe, viel Neues.  Und der Kölner Stadtanzeiger titelte heute, daß die Katastrophe absehbar gewesen sei.

Gestern abend:

Die Nachricht erreichte mich per SMS – ob ich zuhause oder zumindest in Sicherheit sei, wurde ich gefragt, bei dem, was da gerade in Köln los sei. Ich war auf der anderen Rheinseite und kam gerade vom Friseur.

Gerade wenn Katastrophen gleich in der Nachbarschaft stattfinden, bin ich immer entsetzt, wie wenig man ein paar Kilometer weiter davon mitbekommt.

Zum gleichen Zeitpunkt, als ich noch von nichts ahnte, gelangte sie nämlich schon per Blog und Twitter über das Netz bis nach Spanien – und die erste Vermutung von über 30 Toten machte die Runde. Das hat sich – Gott sei Dank – nicht bestätigt.

Zur Zeit werden noch bis zu 9 Personen 2 Personen (update: 04.03.09, 18.00 h) vermißt, die sich im ebenfalls eingestürzten Nachbarhaus befunden haben sollen. Es gibt keine Schwerverletzten – auch eine gute Nachricht.

Einsturz des Kölner Stadtarchivs

Einsturz des Kölner Stadtarchivs (c) WDR

Mir wird immer noch ganz anders, wenn ich bedenke, daß dort letzte Woche noch Zehntausende Rosenmontag gefeiert haben.

In Köln in der Severinstraße ist das historische Stadtarchiv eingestürzt und zwei Nachbargebäude wurden mitgerissen.

Auf koeln.de liest man:

Das Historische Archiv der Stadt Köln gilt als eines der größten Stadtarchive Deutschlands. Das Archiv umfasst Dokumente aus über tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte, unter anderem 65.000 Urkunden, 104.000 Karten und eine halbe Million Fotos. Auch zahlreiche Nachlässe, darunter der des Schriftstellers Heinrich Böll, befinden sich in dem Archiv. Die früheste Urkunde stammt aus dem Jahr 922. Das Gebäude in der Severinstraße wurde 1971 für das Archiv gebaut.

Eine Übersicht mit  Sondersendungen, Berichten und Videos zum Thema finden Sie in der WDR-Mediathek. Woanders wird mehr auf die Situation der Anwohner eingegangen, die heute nicht in ihre Häuser zurückkehren konnten, da ungewiß ist, ob es nicht noch mehr Schäden gibt. Die Situation ist auch weiterhin chaotisch.

Wer mehr dazu wissen möchte, findet auch auf http://www.koeln.de einen Bericht und eine Fotostrecke. Und es gibt ein Video mit dem Interview mit dem ehemaligen Abteilungsleiter des Historischen Archivs,  Illner, der meint, dies wäre eine absehbare Katastrophe gewesen.

Die Stadt Köln gräbt für eine neue U-Bahn-Strecke seit Jahren Tunnel durch und rund um die Severinstraße – und in diesen Tunnel sei der Bau jetzt eingesackt.  Wobei 2004 im Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau schon ein Kirchturm St.  Johann Baptist in der Severinstraße sich neigte und zum „Schiefen Turm von Köln“ wurde.

Das Thema war und ist also bekannt in Köln, schon öfter sackten Gebäude ab. Update am Folgetag: die Geschichte des Baus der Nord-Süd-Bahn in Köln – beim Kölner Stadtanzeiger.

Astrologisch betrachtet mußte ich leider sofort an Pluto im Steinbock denken.

Steinbock beherrscht die Geschichte und die Tradition, die alten Dokumente und damit gehört auch das Stadtarchiv zu seinem Reich. Steinbock steht für die Basis, das Fundament, auf dem gebaut wird. Seit ungefähr einem Jahr sind die Setzrisse im Keller des Stadtarchivs bekannt, das Fundament war also schon rissig.

Es wird vermutet, daß der Bau der U-Bahn-Tunnel zu dem Unglück geführt hat.

So sind wir dann also bei Pluto angelangt, dem Herrn der Unterwelt:  Tunnel und Grabungen gehören zu seinen Angelegenheiten.

Pluto läuft seit letztem Jahr durch den Steinbock. Das heißt konkret, er überprüft die Fundamente, die Tradition, eben alles, was zum Steinbock gehört, auf Stabilität und rüttelt daran, um festzustellen, ob die Dinge denn auch stabil sind.

Zudem haben wir in der Zeit, als Pluto durch den Schützen gelaufen ist (1995-2007/08) viele Dinge leichter genommen.

Der Kölner hat sowieso schon das Motto „Es ist noch immer gutgegangen“ (die richtige mundartliche Übersetzung überlasse ich lieber einem echten Kölner) – was zu der Zuordnung des Zeichens  Schütze zu dieser Stadt unter dem Schutz des Domes wunderbar paßt. Und den Alltag hier leichter macht.

Schütze sieht alles sehr optimistisch und so schlimm kann es doch gar nicht werden.

Risse, die entdeckt wurden und die Kirche St. Johann Baptist, die wie gesagt, jetzt einen schiefen Turm hat, wurden nicht als Warnung genommen, sondern man buddelte lustig weiter.

Und dann kam Pluto und rüttelte wohl richtig, eventuell ist noch ein Rohrbruch (schon wieder Pluto!) hinzugekommen, der den Untergrund noch instabiler machte. Es wird spekuliert und genaues weiß man nicht.

Aber das Ergebnis ist deutlich zu sehen: der Einsturz (Pluto) eines der größten Stadtarchive (Steinbock)  Deutschlands, welcher nicht nur die gesammelte Kölner Geschichte (Steinbock)  mit in den Untergrund (Pluto) genommen hat, sondern noch etliche wertvolle und alte  Dokumente (neben Zwilling auch Steinbock), die dort gelagert waren.

Für Plutos Transite (oder Hausbesuche, wenn Sie so wollen) habe ich immer das folgende Bild:

Er kommt zu Besuch – erst einmal klopft er höflich an der Vordertür. Er wollte in Ruhe mit Ihnen sprechen und Sie fragen, ob Sie wirklich auf stabilen Füßen stehen.

Wenn ihm die Tür vor der Nase zugeknallt wird, geht er an die Hintertür. Wird er auch dort nicht eingelassen, versucht er es eventuell damit, ein Fenster einzuschlagen. Hören Sie jetzt immer noch nicht zu, pflegt er durch den Keller und durch Ihren Fußboden durchzubrechen. Dann steht er im Wohnzimmer und alles liegt in Schutt und Asche.

Dies konnten wir heute in Köln erleben. Und das war nicht nur das Wohnzimmer, sondern ein 30 Meter tiefer Krater.

Vielleicht werden solche Warnungen in Zukunft ernster genommen.

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